wissensmanagement, Heft 5/2007 (Titelthema: Selbst-, Zeit- und Ideenmanagement)
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[English title: wissensmanagement, 5/2007 (Special topic: Self-, time, and idea management)]

Titelthema
Ich und mein Wissen: Selbst-, Zeit- und Ideenmanagement – effektiver arbeiten, erfolgreicher handeln
Die tägliche Informationsflut ist erdrückend. Wie soll man bei all den Neuigkeiten noch Zeit finden, um neue Ideen zu entwickeln? Wie kann man es trotz der ständig steigenden Anforderungen schaffen, eine individuelle Note in sein tägliches Handeln einzubringen? Selbstmanagement heißt die Lösung! Denn nur wer sich und sein Wissen optimal organisiert und dabei Zeitfresser eliminiert, kann kreativ denken, souverän agieren und kompetent entscheiden. Persönliches Wissensmanagement ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Es schafft Freiräume, fördert das strukturierte Vorgehen und hilft, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen.
 

Editorial
Mein Wissen gehört mir

News

PRAXIS WISSENSMANAGEMENT

Vernetztes Wissen
Das Unsichtbare sichtbar machen
von Frank D. Behrend
Wie der Kolumnist der New York Times, Thomas Friedman, so trefflich bemerkt hat, nötigt die zunehmende Globalisierung Unternehmen, ihre Konkurrenzfähigkeit noch kritischer als bisher zu hinterfragen. Stets auf der Suche nach mehr Effizienz und Flexibilität hat sich jedoch auch gezeigt, dass wissensintensives Arbeiten zunehmend auf Basis informeller Beziehungen und Netzwerke erledigt wird – und immer weniger durch definierte Arbeitsprozesse und formale Berichtswege. In Zeiten von Outsourcing und komplexen Unternehmensfusionen werden diese unsichtbaren Dimensionen zusehends entscheidender, sowohl für die erfolgreiche Umsetzung der Unternehmensstrategie als auch im Hinblick auf die persönliche Leistungsfähigkeit der Betroffenen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine entsprechende interne Vernetzung nachhaltigen Einfluss auf die Produktivität, das Lernen und die Innovationsfähigkeit einer Organisation hat, ebenso wie ausgewogene externe Unternehmensnetzwerke.

Technologien
Wissensmanagement definiert IT-Ökosysteme
von Peter Schütt

Moderne Web-2.0-Lösungen für Unternehmen werden nicht mehr klassisch als zu installierende Anwendungen, sondern als Services angeboten, was oftmals noch für Verwirrungen sorgt. Erst langsam gewöhnen sich die Nutzer daran, dass eine Anwendung heute nicht mehr nur eine Anwendung ist. Viel zu sehr sind sie daran gewöhnt, die Limitierungen klassischer IT-Systeme zu akzeptieren. Im beginnenden Zeitalter Services-orientierter Architekturen (SOA) ist das aber nicht mehr notwendig. Heute sind es vielmehr prozessorientierte Ansammlungen von Services, die in ihrer Kombination zusammen den besonderen Mehrwert erzeugen – also quasi IT-Ökosysteme, in denen sich Services gegenseitig im Nutzen anreichern. Eine Aufgabe modernen Wissensmanagements besteht darin, die Elemente dieser Ökosysteme für verschiedenste Zielausrichtungen zu bestimmen.

Web 2.0
Wikis und Blogs: Die Bottom-Up-Revolution im Wissensmanagement
von Tobias Schnitzer, Markus Zinnbauer
Wissensmanagement implizierte bislang gemeinhin einen klar strukturierten Prozess zur Explikation und zum Transfer der immateriellen Wissenswerte eines Unternehmens. Hier zeigt sich aber ein Problem bestehender Wissensmanagement-Tools: ihre zentrale Top-Down-Orientierung. Experten sammeln Informationen in zentralen Datenbanken und vermitteln Wissen in organisierten Schulungen. Doch immer mehr Experten stehen diesem zentralistischen Ansatz – besonders in Zeiten des Web 2.0 – skeptisch gegenüber. Denn das bemerkenswerte an der Web-2.0-Welt ist die starke intrinsische Motivation zur Teilnahme an einem Wissensnetzwerk. An die Stelle eines stark prozessual ausgerichteten Systems tritt eine weitgehend offene, selbstreferentielle Plattform. Es kommt zu einer Bottom-Upgerichteten Demokratisierung des Mechanismus, wobei die Neugier der Nutzer einen der Haupttreiber zur Wissensmehrung und -teilung bildet.

Prozessoptimierung
Wissensmanagement in Beratungsunternehmen
von Nicola Hengst-Gohlke
„Beratungsarbeit ist zum größten Teil Wissensarbeit. Daher entscheidet der bewusste Umgang mit der Ressource Wissen über unseren langfristigen Erfolg. Mit den Regelungen für unser Wissensmanagement wird erreicht, dass jegliche Art von Information und Wissen unserer Mitarbeiter, Kunden und externen Ressourcen identifiziert, bewertet und gespeichert wird, um dann in unseren Wertschöpfungsprozessen gezielt und effektiv gesteuert und eingesetzt werden zu können.“ So lautet die Kurzbeschreibung des Wissensmanagement-Prozesses der Unternehmensberatung Jack Russell Consulting GmbH. Als Beratungshaus rund um das Thema Humankapital besetzt die Firma im Auftrag nationaler und internationaler Kunden vor allem Führungspositionen in den Segmenten Informationstechnologie, Telekommunikation und Technologie (ICT) sowie in den Bereichen private und öffentliche Dienstleistungen und Automobilindustrie.

Weiterbildung
Lernen am Arbeitsplatz
von Klaus Tochtermann, Gisela Dösinger
Lebenslanges Lernen umfasst jegliche Lernaktivität, die aus persönlichen, staatsbürgerlichen, sozialen bzw. berufsbezogenen Gründen mit dem Ziel der Verbesserung von Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen im Laufe des Lebens unternommen wird. Diese Definition entstammt der im November 2001 formulierten Mitteilung der Kommission, einen europäischen Raum des lebenslangen Lernens zu schaffen, deren Umsetzung durch einen weiteren Beschluss im Jahr 2002 unterstützt wurde. Diese Aktivitäten der Kommission gründen auf dem im März 2000 in Lissabon definierten Ziel, die Union innerhalb von zehn Jahren zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu entwickeln, in dessen Zusammenhang die Bildungspolitik und damit das lebenslange Lernen eine zentrale Rolle spielen. Wie den von den europäischen Ländern formulierten Strategien zum lebenslangen Lernen entnommen werden kann, werden breit gefächerte Maßnahmen gesetzt und geplant, die lebenslangesLernen Realität werden lassen sollen.

Implizites Wissen
Personalisiertes Wissensmanagement: Knowledge-Cafés – ein Tool mit Potenzial
von Sabine Hage-Malsch
Der Begriff „Knowledge-Café“ taucht immer häufiger in Wissensmanager-Kreisen auf. Besonders im englischsprachigen Raum (Australien, England und den USA), aber auch in der Schweiz wird diese Form von Learning Communities am Rande von öffentlichen Konferenzen, Workshops oder Inhouse-Schulungen zu spezifischen Fachthemen von auf dieses Tool spezialisierten Anbietern durchgeführt. Am bekanntesten sind die Conversation-Cafés, die Gurteen Knowledge-Cafés und die World-Cafés [3]. Im deutschsprachigen Raum ist das Informationsangebot zum Thema Knowledge-Cafés hingegen noch sehr gering. Selbst Online-Enzyklopädien wie Wikipedia bieten hierzulande keine Einträge zu diesem noch relativ neuen Wissensmanagement-Werkzeug, wohingegen die englische Wikipedia-Version durchaus Informationen zu diesem Schlagwort bereithält. [4] Doch was sind Knowledge-Cafés überhaupt? Welche Angebote gibt es zu diesem Tool? Und welche Möglichkeiten bietet der unternehmensinterne Einsatz dieses Instruments?

TITELTHEMA: ICH UND MEIN WISSEN

Mehr Effizienz und Erfolg – dank Wissen, Erfahrung und Idee
von Heinrich Kohlmeyer
Effektiver arbeiten und erfolgreicher handeln bedeutet, den persönlichen Ertrag aus dem eigenen Wissen zu optimieren. Dafür spielt Zeit eine wichtige Rolle. Es stellt nämlich einen erheblichen Unterschied dar, ob wir eine bestimmte Menge an Erfolg innerhalb eines kurzen oder langen Zeitraums realisieren. Bringt ein Finanzdienstleister die Versicherungssumme von 1 Million Euro bei nur einem einzigen Termin an den Mann bzw. die Frau, dann hat er viel effektiver gearbeitet und erfolgreicher gehandelt, als wenn er dafür drei Monate gebraucht hätte. Neben dem Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, muss er aber auch das gesamte Informationsbedürfnis des Kunden befriedigen können. Das heißt, er braucht einen großen Fundus an Wissen. Es nützt jedoch alles nichts, wenn er nicht schon vorher die Idee gehabt hätte, diesen Kunden zu kontaktieren. Wäre es der falsche Zeitpunkt und der Kunde nicht erreichbar gewesen, dann könnte er sich seine gesamten Fachkenntnisse „an den Hut stecken“. Anhand dieses kleinen Beispiels lässt sich gut erkennen, dass Wissen und Zeit untrennbar zusammengehören.

Vom individuellen zum institutionellen Wissensmanagement
von Matthias Ballod
Zwar ist das Bewusstsein für das wichtige Zusammenspiel der Ebenen Technik, Personen und Organisation deutlich ausgeprägter als noch vor wenigen Jahren, nichtsdestotrotz wird beim Wissensmanagement der IT immer noch eine zu große Priorität eingeräumt. Bekanntermaßen ist das Wissen der Mitarbeiter das größte Kapital jedes Unternehmens, allerdings auch deren Vorsprung und Geltungsanspruch. In der Erwartung, Arbeits-, Informations- und Kommunikationsprozesse zu verbessern und zu rationalisieren, investieren Unternehmen große Summen in Wissensmanagement-Systeme. Doch ohne eine Reflektion über deren Nutzen fühlen sich die Mitarbeiter durch die neue Informationsarbeit häufig überfordert. Ihnen fehlen Kompetenzen, Motivation und Zeit für die Umsetzung. Im Ergebnis legt sich jeder sein eigenes Informations- und Kommunikationsverhalten zurecht.

Brain Clipping: Wissen managen, Komplexität reduzieren
von Arnd Kaiser, Jan-Marius Tillmanns
Der Begriff des Wissensmanagements hat sich längst zu einem Dauerthema in Unternehmen und Organisationen entwickelt. In den Führungsetagen weiß jeder, dass angesichts wachsender Produktvielfalt, zunehmender Komplexität von Prozessen, der internationalen Konkurrenz und daraus resultierender Verschlankung von Strukturen das institutionelle Wissen zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil geworden ist. Nur wenn Organisationen ihr Wissen strukturieren und systematisch abrufbar machen, können sie es sichern, weiterentwickeln und gezielt nutzen. Bei positiver Marktentwicklung bringt Wissen im Idealfall entscheidende Wettbewerbsvorteile. Bei negativer Entwicklung kann es aber auch einfach das Überleben des Unternehmens am Markt sichern.

DOKUMENTATION + KOMMUNIKATION

Wissen bewerten
Wissensbilanz-Toolbox: Immaterielle Werttreiber entwicklen
von Kai Mertins, Markus Will
Wie können wir unser Wissen und das intellektuelle Kapital unseres Unternehmens transparent machen? Wo müssen wir ansetzen, um unsere immateriellen Ressourcen zu optimieren und unsere strategischen Ziele zu erreichen? Diese Fragen erlangen auch für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) zunehmende Bedeutung. Während bereits verschiedene, teilweise recht akademische und komplexe Ansätze zur Erfassung und Bewertung der immateriellen Werte existieren, fehlte es bisher an einfachen und kostengünstigen Methoden, die den Anforderungen von KMU genügen. Das Konzept „Wissensbilanz – Made in Germany“ ist entsprechend der Ansprüche des deutschen Mittelstands entwickelt worden. Um diese Methode noch einfacher und effizienter zu gestalten, wurde zusätzlich die Wissensbilanz-Toolbox entwickelt. Dieses Software-Werkzeug ermöglicht es, das intellektuelle Kapital von Unternehmen mit optimalem Kosten- Nutzen-Verhältnis strukturiert darzustellen und strategiekonforme Maßnahmen abzuleiten.

Data Warehouses
Kommunikation in Echtzeit: Immer topaktuell informiert
von Tim Bölsche, Rolf Scheuch
Operative Daten müssen in der heutigen Business-Welt immer schneller verfügbar sein. Es reicht nicht mehr aus, den Datenbestand eines Data Warehouses täglich oder wöchentlich zu aktualisieren. Gerade im Hinblick auf aktives Kunden-, Lieferanten- und Produktmanagement ist es vielmehr notwendig geworden, Informationen sofort nach ihrem Entstehen in die Systeme einzuspeisen. Real Time Enterprise (RTE) hat sich hier über die letzten Jahre hinweg zu einem ernst zu nehmenden Ansatz mit realistischen Marktchancen entwickelt. Das Konzept des Echtzeit-Unternehmens bietet neue Möglichkeiten, Abläufe effektiver zu gestalten und agiler zu werden. Um die Effektivität und die Effizienz im Unternehmen spürbar zu steigern, ist allerdings eine prozessorientierte Umgestaltung der Organisationsstrukturen notwendig. Leistungsstarke Data Warehouses stellen dabei ein wesentliches, integrales Element dar.

Tools
Prozessorientieres Wissensmanagement
von Roland Erzer
Wir sind auf dem Weg von der Informations- zur Wissensgesellschaft. Noch befindet sich das Wissensmanagement aber in den Kinderschuhen. Richtig angepackt lassen sich mit Wissensmanagement nachhaltige Geschäftsprozessoptimierungen erreichen. Qualitätsmanagement und Wissensmanagement dü rfen dazu nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Vielmehr sind die Anforderungen in einem integrierten Managementsystem zu vereinen.

HUMAN RESOURCES

E-Learning
Vom Wissen zum diskriminierungsfreien Handeln
von John Erpenbeck, Werner Sauter
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hat in den vergangenen zwölf Monaten zahlreiche Unternehmen dazu bewegt, ihre Mitarbeiter mit Hilfe von E-Learning-Programmen über die neuen rechtlichen Regelungen zu informieren und entsprechend zu schulen. Bisher waren die Auswahlentscheidungen für derartige Lernprogramme jedoch stark durch die Zielsetzung geprägt, die rechtlichen Risiken der Arbeitgeber durch eine unternehmensweite Information oder Qualifizierung aller Mitarbeiter und Führungskräfte zu minimieren. Das AGG bietet nun aber einen Anlass, einen Prozess der Kompetenzentwicklung zum diskriminierungsfreien Handeln zu initiieren. Dabei ist es sinnvoll, in einem ersten Schritt entsprechende Entwicklungsmaßnahmen mit Führungskräften einzuleiten, um eine öglichst hohe Multiplikatorwirkung zu erzielen. Diese Lernprozesse erfolgen sinnvollerweise in Netzwerken und im Netz – mittels Social Software. Denn an dieser Stelle genügt es nicht, nur eigene Erfahrungen mit diskriminierendem Verhalten zu verwerten.

Lebenslanges Lernen
Die Erstellung und Verbreitung von Lerninhalten – eine wachsende Herausforderung für Unternehmen
von Steven Shaw
Ökonomie und Technologie konvergieren heutzutage immer stärker. Traditionelle Grenzen verschwinden. Dies gilt für Learning & Development genauso wie für jeden anderen Bereich. Obgleich für Unternehmen Möglichkeiten zur erhöhten Konkurrenzfähigkeit durch Personalschulung immer mehr an Bedeutung gewinnen, ist es heute schwieriger denn je, dieses Potenzial auch zu nutzen. Der folgende Text ist der erste Teil einer Serie von vier Artikeln, die sich mit den Herausforderungen für die betriebliche Fortbildung in der heutigen Welt und mit den Möglichkeiten beschäftigen, die sich für zukunftsgerichtete Unternehmen auftun.

TRENDS

Wissen und Marketing
E-Commerce 2.0: Zweiter Frühling für Webshops?
von Ariel Lüdi
Eine neue Generation, eine neue Nummer: Unter dem Etikett Web 2.0 soll das Internet interaktiver und damit auch einfacher bedienbar werden. Auch der E-Commerce bekommt eine 2.0 – interaktive Technologien wie Ajax vorausgesetzt. Intelligente Suchmechanismen, die natürliche Bedienung durch die Verwendung von Drag & Drop und Blätterkatalogen, auf einer Seite arrangierte Transaktions- und Zahlungsmöglichkeiten sowie Rich-Media-Applikationen und interaktive Produktberater sind nur einige Stichworte, die die funktionelle Basis von Webshops aufpolieren können. Zudem spielen Collaborations-Lösungen eine wichtige Rolle, bei der Produktangebote über Affiliate-Programme nicht mehr nur auf der offiziellen Website des Shops, sondern auch bei Partnern erhältlich sind.

Unternehmenskommunikation
Mitarbeiter Weblogs für ein globales Wissensmanagement
von Karsten Ehms, Manfred Langen
Seit Ende Juni 2006 können alle Mitarbeiter der Siemens AG, die Zugang zum Intranet haben, Weblogs lesen, kommentieren und schreiben. Diese Möglichkeit steht damit potenziell rund 475.000 Mitarbeitern in über 190 Ländern offen. Die Initiative zur Bereitstellung von Weblogs wurde durch zwei Trends getrieben: einerseits die enorme Verbreitung von Weblogs im Internet, andererseits die Erfahrung mit so manchem Wissensmanagement-Projekt, das nicht immer die gewünschte Akzeptanz erreicht hat.

WISSENSWERTES

Termine
Fachveranstaltungen für Wissensmanager

Buchvorstellung
Das Konzept unseres Lebens

Kolumne
Was kommt nach dem Wissen?
von Ulrich Schmidt

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© Büro für Medien, Oliver Lehnert


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