Der missbrauchte Wissensbegriff
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[English title: The misused term knowledge]

Sabine Ammon
Was die Kunst weiß und die Wissensgesellschaft nicht wissen will
Bildpunkt, Herbst 2007 (Widerstand. Macht. Wissen.)

Zus.: Seit der öffentlichen Ausrufung der Wissensgesellschaft ist Wissen zu einem der meist gebrauchten und meist missbrauchten Wörter geworden. Übersehen wird gerne, dass dieser Begriff alles andere als eindeutig ist und je nach Façon des Sprechers / der Sprecherin jeglicher Begründungsabsicht genüge getan werden kann. Dehnbar wie Kaugummi, kittet er Leerstellen und verhilft beliebigen Argumentationen zum Siegeszug. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage, was denn überhaupt alles Wissen sei und in diesem Sinne von der Wissensgesellschaft für sich in Anspruch genommen werden darf. Denn hier zeigt sich die eigentliche Frage der Wissensgesellschaft: Wenn sie von der Wichtigkeit des Wissens als zentralem Baustein gesellschaftlicher Entwicklung ausgeht, wenn Wissen mit einem Mal eine bislang nicht erreichte Wertschätzung und Förderung erfährt, dann ist es unverzichtbar zu klären, was sich hinter dem Wissensbegriff überhaupt verbirgt. Von welchem Wissen ist hier die Rede? Welches Wissen will die Wissensgesellschaft überhaupt – und welches braucht sie? Decken sich hier Wunsch und Wirklichkeit? Solange diese Fragen ungeklärt bleiben, ist es für Scharlatane und Wunderheiler einfach, die Wissensgesellschaft als neues Allheilmittel zu verkaufen. Bleibt der Gegenstand der Diskussion unklar, kann auch nicht sinnvoll über die Auswirkungen von Wissen auf gesellschaftliche Entwicklungen diskutiert werden. Jede Auseinandersetzung läuft Gefahr, eine Scheindebatte zu werden, die letztlich alte Konzepte unter einem neuen Etikett verkauft.

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