wissensmanagement, Heft 8/2007 (Titelthema: Wissen bewegt: 3. Stuttgarter Wissensmanagement-Tage)
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[English title: wissensmanagement, 8/2007 (Special topic: Knowledge makes a difference: 3rd Stuttgarter Knowledge Management Days)]

Titelthema
Wissen bewegt: 3. Stuttgarter Wissensmanagement-Tage
Unsere Gesellschaft wird immer schnelllebiger. Was heute noch topaktuell ist, ist morgen schon veraltet. Dieses rasante Tempo stellt große Herausforderungen an unseren Umgang mit Informationen. Wie können wir unser Wissen stets aktuell halten – und bei Bedarf jederzeit abrufen? Welche Möglichkeiten gibt es, Wissen mit anderen zu teilen und damit zu vermehren? Und wie können Unternehmen den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnen, ohne Wissensverluste zu verbuchen? Diese und andere wissensintensive Fragen, bewegen kleine wie große Firmen. Antworten darauf gibt es auf den 3. Stuttgarter Wissensmanagement-Tagen am 20. und 21. November 2007 in Stuttgart.
 

Editorial
Wissen bewegt

News

PRAXIS WISSENSMANAGEMENT

Werkzeuge des Wissensmanagements
Wissensmanagement – im Flug erobert
von Frithjof Weber, Regina Krieghoff, Alexander Katzung
Airbus ist ein weltweit führender Flugzeughersteller mit etwa 57.000 Mitarbeitern. Mit Tochtergesellschaften in den USA, China, Russland und Japan und einem Netz von 1.500 Zulieferern in 30 Ländern stützt sich das Unternehmen auf eine globale Lieferkette. Die Unternehmensorganisation wird dabei stark durch komplexe Forschungs- und Fertigungsabläufe, verteiltes Arbeiten und eine intensive Integration von Zulieferern geprägt. Vor allem ist die Luftfahrtindustrie ein Bereich, in dem Entwicklung und Produktion auf äußerst wissensintensiven Prozessen beruhen. Die Mitarbeiter agieren in einem Spannungsfeld, in dem Erfahrungen und Wissen aus laufenden Programmen mit Lebenszyklen von mehr als 30 Jahren mit neuesten Technologien und Innovationen in Einklang gebracht werden müssen. Aus diesen Gründen nimmt Wissensmanagement in der Unternehmensstruktur und -entwicklung eine wichtige Stellung ein.

Wissen vermehren
Vom fremd- zum selbstorientierten Lernen
von Katja Kuldszun, Bernd Bredehorst
Die Frage, wie effektiv der im Moment, noch weit verbreitete Frontalunterricht im Trainingsbereich sein kann, ist häufiger Bestandteil von Diskussionen. Lerntheoretisch ist der ausschließlich referierende Ansatz umstritten, da diese Art von Inhaltsvermittlung meist nur den auditiven und visuellen Lerntypen bedient und somit klare Grenzen aufweist. Daher wird immer öfter der Ruf laut, diese klassische Form der Inhaltsvermittlung durch andere Maßnahmen zu ergänzen. Neben punktuellen Lernerlebnissen sollte ein kontinuierlicher Erfahrungsaustausch eine sukzessive Weiterentwicklung ermöglichen. Das Konzept „vom fremdorganisierten zum selbstorganisierten“ Lernen, also von der Lern- und Arbeitsgruppe hin zur Community of Practice (CoP), ist genau aus diesem Bedarf heraus entstanden. Zum einen werden beide Lösungen vermehrt genutzt, um klassische Frontaltrainings zu ergänzen und intergeneratives Lernen zu fördern. Zum anderen erhöht das Voranschalten einer Lerngruppe vor eine Community of Practice die Chancen, dass selbstorganisiertes und eigenverantwortliches Lernen wirklich gelingen kann.

Netzwerke
Zahlen, Daten, Fakten: Wissensmanagement im Controlling
von Daniel Schreiber, Wolfgang Becker
Wissensmanagement und Controlling sind zwei Schlagworte, zu denen es zahlreiche Veröffentlichungen gibt. Bisher weitgehend unbeachtet ist jedoch die Verbindung beider Thematiken. Dabei lassen sich zwei Perspektiven einnehmen: Entweder betrachtet man solch eine Fragestellung aus Controllingperspektive oder aus der Perspektive des Wissensmanagements. Erstere führt unweigerlich zu den Ansätzen des Wissenscontrollings, in dessen Fokus die monetäre Bewertung von Wissen steht. Die zweite Perspektive hingegen stellt die Frage, wie sich Wissensmanagement im Controlling-Kontext umsetzen lässt. Dieser Zugang ist besonders interessant, da Controlling neben der Aufgabe der Steuerung auch die Informationsversorgung und Abstimmung übernimmt. Damit betreibt das Controlling u.a. Wissensmanagement.

TITELTHEMA: WISSEN BEWEGT

Effektive Kommunikation: Der Schlüssel zur Teamentwicklung
von Thomas Burzler
Noch nie war es für Menschen so einfach, miteinander zu kommunizieren. E-Mail, Blogs, elektronische Whiteboards und Webconferencing bieten eine nie da gewesene Fülle an Möglichkeiten, Informationen auszutauschen. Unternehmen hoffen, mit Hilfe dieser und anderer Kollaborationstools die Kommunikation innerhalb der Organisation effektiver zu gestalten. Und dies nicht ohne Grund: Studien zeigen, dass Projektteams selten an überzogenen technischen Anforderungen, fehlender Projektkontrolle oder mangelhafter Planung scheitern. Je nach Untersuchung wurden bei bis zur Hälfte der durchgeführten Projekte die Ziele überhaupt nicht oder nur teilweise erreicht, obwohl Zeit und Kosten bereits überschritten waren. Hauptgrund für den Misserfolg: mangelhafte Kommunikation unter den Teammitgliedern.

Wissenscommunities – was funktioniert und was nicht!
von Gisela Dösinger, Claudia Thurner
Wenngleich im Wissensmanagement Communities immer schon ein Thema waren, so hat dieses Instrument der Wissensteilung in jüngster Vergangenheit einen deutlichen Aufschwung erfahren. Nicht nur finden sich immer mehr Beispiele für erfolgreiche Communities, sondern auch die Akzeptanz dafür steigt. Unternehmen erkennen die Potenziale, die in Communities verborgen liegen. Insbesondere virtuelle Communities gewinnen zunehmend an Bedeutung: Sie bieten ungeahnte Möglichkeiten, das Wissen von verstreuten Gruppen zu erschließen, zum Vorteil der Unternehmen wie auch der Mitglieder selbst.

Vom Heim-PC ins Büro: Web 2.0 im Geschäftsalltag
von Bernd Schopp
Nachdem klassische Wissensmanagement-Systeme vor allem in den 1990ern hinter den Erwartungen zurückblieben, bereichert der Einsatz von Social Software das Wissensmanagement mit neuen Impulsen. Im privaten Bereich haben die Technologien, die eng mit dem Begriff „Web 2.0“ verknüpft sind, längst Einzug gehalten. User laden Urlaubsfotos und Heimvideos auf Community-Plattformen und teilen sie mit anderen. Sie bloggen und kommentieren Themen, die ihnen persönlich am Herzen liegen, und speichern Links zu interessanten Seiten als Bookmarks. Dabei stehen die Interaktion, die Beteiligung und die Vernetzung von Informationen und Menschen mit ähnlichen Interessen im Vordergrund – Aspekte, die auch integraler Teil des Wissensprozesses sind und deshalb Social Software zum Einsatz in Unternehmen prädestinieren.

Wissen – Der Schlüssel zu erfolgreichen Projekten
von Frank Ferro
Noch immer verlaufen viel zu wenig IT-Projekte zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Zu oft werden nach wie vor Budgets überschritten, Anforderungen der Anwender nicht befriedigt oder erhoffte Kosteneinsparungen stellen sich anders dar als angenommen. In einer Vielzahl von Seminaren werden Hilfestellungen gegeben, um diese Sachverhalte zu vermeiden. Doch der Faktor Wissen spielt dabei meist eine untergeordnete Rolle. Doch gerade diesem Aspekt muss noch deutlich mehr Bedeutung zukommen, damit Projekte erfolgreicher verlaufen.

SAP-Module als Wissensspeicher nutzen
von Bruno Meier, Roland Erzer
Der Service gewinnt im Maschinenbau zunehmend an Bedeutung. Allein auf überlegene Technik und Produkte kann kein Unternehmen mehr bauen. Stimmt der Service nicht, springen die Kunden ab. Einer aktuellen Studie zufolge wechseln 65 Prozent aller Abnehmer ihren Lieferanten, weil sie mit dem Service unzufrieden sind. Die Kunden erwarten eine schnelle und effektive Störungsbehebung. So werden das schnelle Auffinden richtiger Informationen und die rasche Ursachenbestimmung bei Fehlermeldungen zum zentralen Wettbewerbskriterium. Auf Basis moderner Technologien kann der menschliche Denkprozess heute technisch nachgebildet werden. Möglich machen das die intelligenten Suchen nach vormals erstellten Tickets und Dokumenten und die methodische Herleitung von Fehlerursachen im Störungsfall (Ratgebersysteme).

Semantische Technologien: Die Zukunft im Wissensmanagement
von Tobias Knospe
Es ist wohl ein Phänomen der Zeit, dass ständig neue Management- Ansätze als Allheilmittel der Unternehmensführung gehandelt werden. So schnell wie sie auftauchen, sind sie oft aber auch schon wieder verschwunden. Dem Thema Wissensmanagement erging es da nicht großartig anders: In den 90er Jahren war es eines der ganz großen Schlagwörter – entsprechend hoch waren die Erwartungen. Weil diese sich nicht erfüllten und gleichzeitig mit der Dotcom-Krise die gesamte New Economy zusammenbrach, wurde es ziemlich ruhig um das Thema. Eigentlich schade, denn im Gegensatz zu den vielen Modewellen in der Management-Literatur steht eine Tatsache fest: Wissensmanagement ist und bleibt ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsstärke. Diese Erkenntnis setzt sich auch wieder durch: Wissensmanagement scheint nun in die Phase der Konsolidierung eingetreten zu sein. Ein Treiber für den Aufschwung liegt dabei in dem aufkommenden Trend um die Semantik.

Lern- und Informationsportal an der FH Düssedorf
von Rolf D. Richter
Der Informationsfluss an einer deutschen Universität ist nicht selten äußerst langsam: Studenten suchen an Schwarzen Brettern nach Informationen über das Lehrangebot, müssen in langen Schlangen anstehen, um sich für Veranstaltungen oder Prüfungen anzumelden, und sitzen stundenlang an den Terminals der Bibliotheken, um Fachliteratur zu finden. Auch die Lehrkräfte benötigen häufig viel Zeit, um ihren Studenten wichtige Informationen, wie zum Beispiel Terminänderungen, mitzuteilen. An der Fachhochschule Düsseldorf ist das heute ganz anders. Denn bereits vor sieben Jahren hatte Prof. Marmann in seiner Funktion als „Rektoratsbeauftragter für E-Learning“ beschlossen, diese Zustände zu ändern und die Informationsflüsse mit Hilfe einer geeigneten Intranetlösung und den Möglichkeiten des Internets zu vereinfachen. Das dafür nötige Knowhow fand sich zu einem großen Teil im Hause.

Lerninhalte wiederverwenden – Wahrheit und Mythos
von Steven Shaw, Stefan Heil
Einer der wesentlichen Gründe für die Einführung eines Learning Content Management Systems (LCMS) ist das Versprechen, Inhalte wiederverwertbar zu machen. Durch systematische Wiederverwertung können erhebliche Einsparungen von Zeit und Kosten in der Erstellung erzielt, Qualität und Konsistenz von Inhalten erhöht und vor allem Wartung und Pflege von bestehenden Contents vereinfacht werden. Trotzdem sind die Konzepte zur Wiederverwertung von Inhalten im deutschen Markt bisher oft nur rudimentär entwickelt. Viele Organisationen haben sich noch nicht der Herausforderung gestellt, die Wiederverwertung von Inhalten zu optimieren, auch wenn der potenzielle Nutzen erheblich ist – wie Erfahrungen in anderen Ländern belegen.

Externe Information in das Firmennetz integrieren
von Christian Dömich
Firmen sind nie autonome Organisationen. Sie stehen stets in Beziehung zu Zulieferern und Abnehmern, sind abhängig von rechtlichen Zwängen und dem technischen Fortschritt. Und sehr häufig sind sie oder ihre Produkte Gegenstand journalistischer Kommentierung. Die Information, die dazu generiert wird, also Wirtschaftsinformation, Recht- und Technikinformation sowie Presse und Fachpresse, ist zunächst externe Information. Sie wird nicht durch eine Firma selbst produziert und steht ihr daher nicht ohne weiteres zur Verfügung. Diese Situation ist nicht neu. Schon immer waren Firmen in ein Informationsumfeld eingebettet. Was eine neue Qualität hat, ist die Geschwindigkeit, mit der sich Änderungen heute vollziehen. Unsere Zeit ist schnelllebiger als vergangene. Insofern ist die Bedeutung von externer Information heute noch höher zu bewerten, als vor zehn oder 20 Jahren.

DOKUMENTATION + KOMMUNIKATION

Service Center
Wissensbasierter Kundensupport auf höchstem Niveau
von Peter Schütt
Service Center sind eine spezielle Welt. Nah am Kunden können sie das Unternehmen kostengünstig unterstützen, es aber genauso auch in Verruf bringen. Für die Mitarbeiter ist die Arbeit mit viel Stress und wenig Karrierechancen verbunden, sodass eine hohe Fluktuationsrate die Folge ist. Für das Wissensmanagement gelten in einem solchen Umfeld besondere Herausforderungen. Bemerkenswerterweise funktionieren hier die ansonsten abgeschriebenen Wissensdatenbanken – und das sogar ohne spezielle Anreizsysteme. Wie Wissensmanagement allgemein im Call Center helfen kann, beschreibt dieser Artikel.

Klasse statt Masse
E-Learning: Mit Qualität zum Lernerfolg
von Sünne Eichler
Wissensmanagement ist die zielgerichtete Planung, Organisation und Steuerung von Wissen in Unternehmen. Ein strukturiertes Wissensmanagement soll helfen, benötigtes Wissen für heutige und zukünftige Geschäftsentwicklungen bereitzustellen. E-Learning ist ein wichtiger Baustein in einem Wissensmanagement- Konzept. Es ermöglicht, viele zu einem Thema und Einzelne zu spezifischen Themen weiterzubilden. Wann immer Wissensmanagement-Initiativen in Unternehmen gestartet werden, ist E-Learning ein unverzichtbarer Bestandteil. Für viele Mitarbeiter wie auch Entscheidungsträger ist E-Learning als Weiterbildungsform teilweise noch eine neue Erfahrung. Es gilt, die nötige Akzeptanz zu schaffen, um den gewünschten Lernerfolg sicherzustellen. In diesem Zusammenhang sind insbesondere auch die Lerninhalte eines Web Based oder Computer Based Trainings ausschlaggebend. Guter Content ist ein erfolgskritischer Faktor, dem oftmals erst spät Aufmerksamkeit geschenkt wird.

HUMAN RESOURCES

Wissensaustausch
Wissens vermehren dank neuer Community-Strategien
von Tobias Knoof
Für viele Geschäftsleute ist die Social Community Xing seit Jahren nicht nur Inbegriff des Web 2.0, sondern auch zentrale Anlaufstelle, wenn es um Geschäftskontakte und Austausch mit Gleichgesinnten geht. Zwar wird in den zahlreichen Gruppen Wissen ausgetauscht und vermehrt – im immer gleichen Stil in der Art eines Forums wird über Marketing, E-Commerce, rechtliche Fragestellungen etc. diskutiert. Trotzdem steht bei Xing weniger die Wissensvermehrung im Vordergrund, sondern eher das Knüpfen von Geschäftskontakten und das Zur-Schau-Stellen der eigenen Vita. Gibt es inzwischen neue Netzwerke, die Fokussierung auf die Wissensvermehrung legen?

Bildungscontrolling
Die Umsetzungskurve nach Weiterbildungen hochhalten
Von Christine Tuchscherer, Frank W. Hilsberg
Eine Situation, die vielen Personalentwicklern und Führungskräften bekannt sein dürfte: Wieder einmal haben die Mitarbeiter ein teures Seminar besucht, wieder einmal sind alle von den Inhalten und dem Dozenten begeistert, wieder einmal haben sie dem Trainer und dem Seminar Spitzennoten gegeben – und wieder einmal fällt es ihnen schwer, das neue Wissen am Arbeitsplatz ein- und das Gelernte umzusetzen. Dabei hat der Trainer in den Vorgesprächen glaubhaft die Praxisrelevanz der Trainingsmaßnahme nachgewiesen und versichert, durch das Seminar einen aktiven Beitrag zum Wissensmanagement zu leisten. Das Problem: Nach der anfänglichen Begeisterung sacken die Umsetzungskurve und die Motivation schnell wieder in den Keller. Das Tagesgeschäft und die Unternehmensstrukturen verhindern den Praxistransfer. Und oft stellt sich heraus: Der Trainer ist im Seminar nicht individuell auf die Teilnehmer eingegangen.

TRENDS

Communities of Practice
Freiwilliger Wissenstransfer, aber wie?
von Sebastian Scheibe, Daniel Wrede
In einer sich schnell verändernden Umwelt stellen das bestehende Wissen und die Fähigkeit einer Organisation, neues Wissen zu generieren, entscheidende Wettbewerbsfaktoren dar. Jedoch wirft die oftmals fehlende Differenzierung zwischen Information und Wissen Probleme auf. Trotz der Explosion an verfügbaren Informationen bereitet die Transformation von Informationen in Wissen in der Praxis erhebliche Probleme. Angesichts einer alternden Gesellschaft gewinnt zudem die Frage an Bedeutung, wie das Wissen des Einzelnen auch nach seinem Ausscheiden aus der Organisation weiter zur Verfügung stehen kann. Bedingungen zur Entwicklung und Übertragung von Wissen zwischen Personen müssen daher vermehrt in den Fokus gerückt werden.

WISSENSWERTES

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Kolumne
Wissen teilen ist nicht einfach
von Hans-Wiegand Binzer

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© Büro für Medien, Oliver Lehnert
 


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